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Therapeutensuche:

http://www.psychotherapiesuche.de/Suchen.asp



Therapeutensuche:

http://www.psychotherapeuten-liste.de/suchmaske.htm



Datenbank für Kliniken, Selbsthilfegruppen & Beratungsstellen:

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9.11.06 16:40


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Hier kennt man sich mit Essstörungen aus ...

Kliniken in Deutschland:

Adipositas-Reha-Zentum Insula
(für Übergewichtige Kinder, Langzeit)
83489 Strub/Berchtesgaden
Tel./Fax: 08652/59522.


Adula-Klinik Oberstdorf
Fachklinik für Psychosomatik und Psychotherapie
In der Leite 6, 87561 Oberstdorf
Tel.: 08322-709-0, Fax: 08322-709-403
eMail: info@adula-klinik.de Internet: www.adula-klinik.de


Christoph-Dornier-Centrum
Tibusstraße 7-11, 48143 Münster
Tel.: 0251-4810-0, Fax: 0251-4810-105 (Verhaltenstherapie)


Clemens-August-Klinik
49434 Neuenkirchen (Oldenburg)
Tel.: 05493-5040 (für Jugendliche; auch Familientherapie)


DRK-Reha-Klinik
Lindenstraße 4, 5483 Bad Neuenahr, Tel.: 02641-24014.


Fachklinik Thommener Höhe
54552 Darscheid, Tel.: 06592-2010.


Fachklinik St. Vitus-Stift
Ahlbornerstraße 32, 49429 Visbeck, Tel.: 04445-899-0/ oder 133/136.


Fachklinik Bad Tönisstein
56626 Andernach , Tel.: 02626-570.


Fachklinik Heiligenfeld
Postfach 1260, 97662 Bad Kissingen
Tel.: 0971-8206-0, Fax: 0971-68529
eMail: heiligenfeld@t-online.de.


Georg-August-Universität Göttingen
Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie; Schwerpunkt Familientherapie
Leiter: Prof. Dr. med. M. Cierpka
Humboldtallee 83; 37073 Göttingen; Tel.: 0551-39-5501.


Hardtwaldklinik II
Hardtstraße 32, 34596 Bad Zwesten, Tel.: 05626-880, Fax: 05626-881111.


Hochgrat Klinik Wolfsried
88167 Stiefenhofen , Tel.: 08386-2072, Fax: 08386-4107.


Klinik Zissendorf
Gut Zissendorf, 53773 Hennef , Tel.: 02242-8895-0.


Klinik für Psychotherapie und Psychosomatische Medizin
Graf von Gahlen Straße 56, 33619 Bielefeld.
Tel.: 0521-100022 (für Erwachsene; Gemischte Gruppen)


Klinik am Roseneck
Am Roseneck 4, 83209 Prien am Chiemsee, Tel.: 08051-68-0.


Klinik am Burggraben
Forsthausweg 1c, 32105 Bad Salzufflen, Tel.: 05222-398814.


Klinik Flachsheide
Station für Essgestörte
Forsthausweg 1c, 32105 Bad Salzufflen, Tel.: 05222-3980


Klinik am Korso
Ostkorso 4, 32545 Bad Oeynhausen, Tel.: 05731-181-0; Fax: 05731–181-118.


Klinik für Psychosomatische Medizin Grönenbach
Haus 1, Sebastian-Kneipp-Allee 4, 87730 Grönenbach
Tel.: 08334-981-100; Fax: 08334-981-299 (Mo.-Fr.: 8.15-16.30 Uhr).


Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik, Rheinische Landes- und
Hochschulkliniken Essen

Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. W. Senf,
Virchowstr. 174, 45147 Essen. Tel.: 0201 - 7227 521, Fax: 0201 - 7227 305,
E-Mail: psychosomatik@uni-essen.de Internet: www.uni-essen.de/psychosomatik


Klinik Rastede
Fachklinik für soziopsychosomatische Medizin, die auch Essstörungen behandelt
Mühlenstrasse 80, 26180 Rastede, Hotline 0180 500 54 82
Chefarzt Dr. med. Friedrich Ingwersen, Facharzt für Psychotherapeutische Medizin und Psychiatrie
E-Mail: info@klinik-rastede.de Internet: www.klinik-rastede.de

Kliniken im Theodor-Wenzel-Werk
Spezieller Schwerpunkt sind Behandlungen von Essstörungen
Abteilung für Innere Medizin und Psychosomatik
Potsdamer Chaussee 69, 14129 Berlin, Tel. 030/8109-2600, Fax 030/8109-2602
Chefarzt Dr.med. W. Keller
Internet: www.tww-berlin.de


Kinzigtal-Klinik
Fachklinik für Psychosomatische und Psychotherapeutische Medizin
77723 Gengenbach, Tel.: 07803-808-0. Fax: 07803-808-214 oder 1651.


Landesnervenklinik Andernach
56626 Andernach , Tel.: 02632-4071.


Luisenklinik
Luisenstraße 56, 78073 Bad Dürrheim, Tel.: 07726-668-4, Fax: 07726-668-010.


Medizinisch-Psychosomatische Klinik
Birkenweg 10, 24576 Bad Bramstedt, Tel.: 04192-504-0. Fax: 04192-504550.


Psychosomatische Fachklinik Münchwies
Turmstraße 50-58, 66540 Neunkirchen/Saar
Tel.: 06858-691-0; Fax: 06858-691-420 (Klinik für AOK-Mitglieder)


Paracelsus Wittekindklinik
Empterweg 5, 49152 Bad Essen, Tel.: 05471-935-01, Fax: 05472-935-233.


Parklandklinik
Im Kreuzfeld 6, 34537 Bad Wildungen-Reinhardshausen , Tel.: 05621-706-0/746, Fax.: 05621-706-705
Kostenfreies Servicetelefon: 0130-189127
E-Mail: Parkland-Klinik@t-online.de

Panorama Kur- und Vitalzentrum
88175 Scheidegg/Allgäu , Tel.: 08381-8020.


Psychosomatische Fachklinik
Kurbrunnenstraße 12, 67098 Bad Dürkheim, Tel.: 06322-934-0.


Psychosomatische Fachklinik
Schützenstraße 16, 86949 Windach, Tel.: 08193-720 (Verhaltenstherapie bei Ess-Störungen).


Psychosomatische Fachklinik Bad Pyrmont
Bombergallee 10, 3280 Bad Pyrmont, Tel.: 05281-619-0, Fax: 05281-619-666.


Psychosomatische Klinik Bad Herrenalb
Fachklinik für Psychosomatische Medizin
Kurpromenade 42, Chefarzt Dr. Michel Oppl, Freecall: 0800 / 7853920 (gebührenfrei)
E-Mail: info@klinik-bad-herrenalb.de
Internet: www.marseille-fach-reha-kliniken.de/bad-herrenalb


Psychosomatische Fachklinik
St. Franziskus-Stift, 55545 Bad Kreuznach, Tel.: 0671-77010.


PTZ Kitzberg-Klinik
Erlenbachweg 24, 97980 Bad Mergentheim, Tel. 07931-5316301
Chefarzt: Prof. Dr. Plassner


Rheinische Landesklinik Bonn
Kaiser-Karl-Ring 20, 53111 Bonn, Tel.: 0228-551-2586.


Rheinklinik
Krankenhaus für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Luisenstraße 3, 53604 Bad Honnef , Tel.: 02224-185-0, Fax: 02224-185-152.


REHA-Klinik Ahrenshoop
Dorfstraße 55, 18347 Ostseebad Ahrenshoop
Service-Telefon: 038220-63597 (Uta Pagel)
Zentrale: 038220-63-0, Fax: 038220-243.


St. Antonius-Krankenhaus
Postfach 20, 56588 Waldbreitbach , Tel.: 02638-923-9.


Vitalisklinik
Am Weinberg 3, 36251 Bad Hersfeld , Tel.: 06621-205-0, Fax: 06621-205-199
E-Mail: vitalisklinik-bad-hersfeld@t-online.de


In Österreich

wagner-jauregg krankenhaus
wagner jauregg weg 15
4020 linz
tel.: 0732/6921 2305

kinderklinik (bis maximal 19 jahre)
krankenhausstr. 26
4020 linz
0732/6923 2620

therapiezentrum weidenhof
Unterwuchl 3
9131 GRAFENSTEIN
Tel.: 04225 3061
9.11.06 16:32


Hoffentlich ist bald nächste Woche Mittwoch ...

Klar, ich kann mich nicht einfach auf diesen Therapeuten verlassen und hoffen, dass dann schon alles wieder in Ordnung kommt, er kann mir lediglich (hoffentlich) einen Weg zeigen, den ICH dann eben gehen muss, aber nur schon mal deshalb, weil es eben jemand ist, der Ahnung von der Sache hat, lege ich da auch so große Erwartungen hinein. Vielleicht zu große, das wird sich zeigen.

Es ist momentan echt jeder Tag ein einziger Kampf, vom Aufstehen bis zum ins Bett gehen beschäftigen sich meine Gedanken mit nichts anderem, als essen, nicht essen, Essen kaufen, Essen zubereiten, verschlingen, ins Bad gehen um es wieder loszuwerden und dann wieder von vorn ... Ich hatte schon immer mal bessere und schlechtere Phasen, aber so wie zur Zeit war es schon länger nicht mehr und ich hab Angst, die Kurve nicht zu kriegen.

Mein Gott, das sind jetzt knapp 20 Jahre - manchmal frage ich mich, wie mein Leben ohne Bulimie wohl aussehen würde? Was wäre noch von mir übrig, wenn sie wirklich komplett weg wäre? Keine Frage, ich will dieses Leben so nicht mehr und werde auch was dagegen unternehmen, trotzdem habe ich auch irgendwie Schiss, ich müsste mich selbst komplett "neu erfinden" und wenn ich mir versuche vorzustellen, was bei so einer Psychotherapie eventuell ans Licht kommen könnte, dann wird mir echt ganz anders.

Die Bulimie hat mein ganzes Leben im Griff, sie bestimmt was ich denke, was ich tue oder auch nicht und meine Launen sind ihr ebenfalls voll und ganz "ergeben" ... Für jemanden, der nichts damit zu tun hat klingt es vermutlich total bescheuert - aber im Laufe dieser vielen Jahre war sie nicht nur meine Feindin, häufig empfand ich sie auch als verlässliche Freundin. War da, wenn ich jemanden "brauchte" und auch wenn es sich eigentlich völlig widerspricht - die Bulimie gab mir ein Gefühl von Kontrolle. Ich weiß nicht mal genau worüber, aber so empfand ich es.

Den Großteil meines bisherigen bewusst denkenden Lebens habe ich als Bulimikerin gelebt - und diesen Großteil muss ich hinter mir lassen. Vielleicht sollte ich es nicht als ein Ablegen meiner ganzen Persönlichkeit betrachten, sondern mich mit einer Schlange vergleichen ... Die häutet sich ja auch und lässt ihre Hülle zurück. Und warum? Weil sie GEWACHSEN ist und ihr altes Kleid ihr nicht mehr passt ... Genau - das scheint mir ein ganz guter Ansatz zu sein ... Altes zurücklassen, damit Neues, Schöneres entstehen kann, klingt gut, oder? Oder eine gewisse hässliche Raupe ... sie verpuppt sich, zieht sich in sich zurück - und kommt als wunderschöner Schmetterling zurück! Hat was Tröstendes, wie ich finde.

Hilfe, ich fühle mich, als würde ich auf eine gaaaaaanz lange Reise gehen von der ich nicht weiß, wohin sie mich führen wird. Ich hab echt Bammel ...

Das ging mir nur mal eben so durch den Kopf, ich geh mal besser wieder.

9.11.06 14:17


Start ...

... wird heute in einer Woche sein.

Am 15. November habe ich den ersten Termin bei meinem Therapeuten.

Vorher wird sich in der Kategorie "Therapie" nichts tun, aber ich dachte, ich schreibs mal eben hin, nuuuur mal sooooo zur Info.

8.11.06 10:22


8.11.06 10:15


- Teil 2 -

Die Toilette, die Narben & der Tod

Tja ... ich war 12, als ich "es" zum ersten Mal getan habe. Ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen. Kurz zuvor waren wir in ein eigenes Haus umgezogen und Mutters ganzer Stolz war das Badezimmer im Erdgeschoss. Oben in der ersten Etage gab es zwar auch ein kleines WC, aber ich hatte mich für das große Bad entschieden.

Immer wenn Besuch gekommen war, hatte meine Mutter die Leute quer durchs Haus geführt und erzählt, was hier für besonderes Material verwendet worden war, was dort an Arbeit hatte investiert werden müssen und all solche Sachen. Ich fand diese Führungen immer total bekloppt, so richtig wie in dieser Werbung ... mein Haus, mein Auto, meine Yacht ... prollig einfach und irgendwie peinlich.

Ich jedenfalls hasste das Bad. Die Keramik war eine Mischung aus eierschalenfarben und beige, die Armaturen waren für mich als Kind aus "gold" ... Na ja, so sahen sie jedenfalls aus und das fand ich schrecklich. Zur Toilette und Badewanne kam man, indem man eine geflieste Stufe hochging, in so nem Halbbogen, fast als ginge man in der Kirche hoch zum Altar ... Mag sein, dass ich genau aus diesem Grund das untere Badezimmer für mein "erstes Mal" ausgewählt hatte, ich glaube, ich wollte meiner Ablehnung Ausdruck verleihen und die Toilette war wohl so etwas wie ein Symbol, ich kotzte praktisch meiner Mutter ins Gesicht, wenn man so will. Klingt total bescheuert, ich weiß, aber so empfand ich es, nach dem Motto: "So, das hast du jetzt davon!" Als Kind konnte ich noch nicht begreifen, dass alles einen Sinn hat und auf seine Weise richtig ist.

Na ja, es war schwerer, als ich gedacht hatte und es dauerte auch eine Weile, bis ich erfolgreich war - hinterher aber empfand ich zweierlei: "Geil, ich hab`s geschafft!" und gleichzeitig "Mein Gott was bist du doch ekelhaft!". Ich beschloss, dass ich mein Tun perfektionieren müsste und fing an zu "üben".

Im Laufe der nächsten Tage kam mir der Gedanke, dass ich eigentlich behaupten könnte, ich müsste mich ständig übergeben  und so vielleicht etwas "bemitleidet" würde und alle Welt mich für krank hielte. Also hab ich meiner Mutter gesagt, dass mir immer schlecht sei und hab sie nach meinen doch noch recht kläglichen Versuchen, das Essen wieder rauszubefördern, an die Toilette geführt, wie Moses die Juden durchs heilige Land. Ich war insgeheim richtig stolz, wenn  etwas in der Toilette schwamm, wenn es auch nicht wirklich viel war, das mit dem vielen Trinken hatte ich die ersten Tage noch nicht kapiert und würgte mir unter Aufbietung all meiner Kräfte ein wenig raus, aber lange nicht alles.

Jedenfalls stand ich also einmal mit meiner Mutter vor der Toilette (diesmal oben, da war auch mein Zimmer) und sie schaute hinein, meinte, das sei doch kaum was und halb so wild.

Mein Ehrgeiz war noch mehr geweckt und recht schnell wurde ich "besser und besser". Dann ging sie doch tatsächlich mit mir zum Arzt, ich hatte es also geschafft und ihre Aufmerksamkeit auf mich gelenkt. Ergebnis war, dass ich in ein Krankenhaus eingewiesen wurde, in dem ich ein paar wenige Tage beobachtet wurde und bis heute noch nicht weiß, wozu ich dort war - denn es geschah gar nix. Ich bekam mein Essen, ich aß meinen Teller leer, übergab mich (oder auch nicht) und sagte immer, dass es mir bestens ginge. Dann musste ich mich aber mal vor so einem Arzt ausziehen (bis auf die Unterhose) und mich rundherum begutachten lassen, wei bei der Fleischbeschau kurz vor der Schlachtung. Mutter war dabei und ich hätte auf der Stelle sterben können, so sehr schämte ich mich.

Der Arzt meinte, es sei normal, dass Mädchen nicht mit ihrem Körper zufrieden seien und er kenne auch keine Frau, die wirklich gut fände, was sie im Spiegel sähe. Da sagt meine (leicht übergewichtige) Mutter: "Doch, ich!" Er schaut sie erstaunt an, ich denk "die nun wieder" und der Arzt sagt dann nur, dass sie dann halt eine Ausnahme sei. Wie auch immer, sollte ich weiter meine Probleme haben, dann solle ich halt wiederkommen, derzeit bestünde aber kein Grund für eine weitere stationäre Behandlung. Also gings heim und ich hatte das Gefühl, versagt zu haben. Man hatte mich aus dem Krankenhaus rausgeschmissen, dabei stimmte doch was nicht mir mir, oder hatte ich jetzt die Bescheinigung, dass alles bestens war und ich einfach zu doof, das zu erkennen?

Egal, zumindest hatte ich spätestens zu diesem Zeitpunkt beschlossen, dass es bis in alle Ewigkeit mein Geheimnis sein würde, dass ich allein die Macht hätte, "es" tun und lassen könnte, wann immer ich wollte und somit zum Bestimmer über mein Leben geworden war. Ich fühlte mich tatsächlich richtig "stark", hatte ich doch was gefunden, was mir keiner wegnehmen oder verbieten konnte, ich hatte sie alle ausgetrickst, ätsch! Dass ich aber auf dem besten Weg war, die Kontrolle über meine komplette Existenz zu verlieren und mich in eine noch viel schlimmere Abhängigkeit begab, eine, die mir noch weniger Luft zum Atmen lassen würde, als es zuvor meine Mutter getan hatte, das ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ich war der Chef und fertig.

Ich glaube, ich hätte zu dieser Zeit den Absprung noch locker geschafft, wenn irgendwer erkannt hätte, was ich da begonnen hatte und mich in andere Bahnen gelenkt hätte. Aber das passierte nicht und im Laufe der Zeit fräßte sich die Bulimie eine immer tiefer werdende Furche in mein Leben, ganz heimlich steckte sie ihre Samenkörner in den Boden meiner Seele, deckte etwas Erde drüber und wartete ab ...

Wie das nun mal so ist, in der Natur ... Was regelmäßig gegossen wird, beginnt zu wachsen, auch wenn man das Gießen ab und an mal unterlässt - es dauert, bis etwas wirklich zu 100% verdörrt ist, ein kleines Fünkchen Leben reicht oft, um wieder ganz etwas Großes entstehen zu lassen. So war es auch mit meiner Bulimie.

Es gab Zeiten, da kotzte ich ein paar Wochen am Stück gar nicht, meistens jedoch übergab ich mich regelmäßig, teilweise bis zu 15 Mal am Tag und kaum hatte ich alles draußen, aß ich auch schon wieder, die Leere wollte mit irgendetwas gefüllt werden und ich geriet immer tiefer in diesen Teufelskreis. Entweder ich aß, hungerte, erbrach, oder dachte über eines davon nach. Es gab kein anderes Thema mehr, alles drehte sich ums Essen. Es war der erste Gedanke am Morgen und der letzte vor dem Einschlafen. Zwei Jahrzehnte lang ...

Man kann sagen, je mehr ich aß, oder je häufiger ich erbrach umso stärker nagte die Bulimie an meinem Fleisch und begann mich aufzufressen. Als ich irgendwann bemerkte, dass doch nicht ich der Chef war, sondern sie, war es schon zu spät und ich kam nicht mehr gegen sie an. Ich hasste mich dafür, dass ich so schwach war, mich so ekelhaft verhielt und vom "normalen" Benehmen eines Menschen soweit abgekommen war.

Ich fühlte mich nicht mehr als eigenständiges Wesen, sondern von außen gesteuert also suchte ich nach etwas, womit ich wieder spüren konnte, dass ich selbst es war, die etwas "vollbrachte" - und begann mich selbst zu verletzen. Heute, 15 Jahre später, sehe ich die Narben an meinen Armen nur noch, weil ich genau weiß, wo sie sind, sie sind ziemlich verblasst und ohne über deren Existenz informiert zu sein, fallen sie keinem auf. Damals hätte jeder sie bemerkt, aber gezeigt habe ich sie natürlich niemandem. Sie waren MIR, mein optischer Beweis dafür, dass ich immer noch Herr über meinen Körper war und wenn ich das Blut sah oder den Schmerz fühlte, dann wusste ich, dass ich doch noch zu Empfindungen fähig war.

Heute im Nachhinein erkenne ich langsam, dass ich wohl wirklich "krank" war, ich empfand es früher aber nie so und hätte nicht in Erwägung gezogen, mir Hilfe zu suchen, weil ich ja "selbst schuld" war und man Hilfe verdient hat, wenn einem ohne eigenes Zutun irgendetwas geschieht. Ich hatte kein Recht über irgendetwas zu klagen, ich tat ja alles selbst und brauchte es nur zu lassen ...

Selbst in diesem Stadium (oder ganz besonders in diesem) fühlte ich mit stark, selbstbestimmend, denn schließlich war ICH es, die sichtbare Spuren an meinem Körper anbrachte, ICH konnte mit ihm tun und lassen was ich wollte und er gehorchte.

Aber auch das Blut und die Schmerzen reichten irgendwann nicht mehr, um dieses "Nichts" mit Leben zu erfüllen. Das Leben war für andere da, nicht für mich, das wurde mir langsam klar, erst dann würde wieder Frieden einkehren und alles so laufen, wie es richtig war. Im Februar `92 setzte ich meine Überlegungen in die Tat um ... Genaueren Angaben möchte ich hierzu nicht machen, jedoch glaube ich heute, dass meine Existenz einen bestimmten Sinn hat, anders kann ich mir nicht erklären, noch am Leben zu sein.

Vielleicht schreibe ich darüber beim nächsten Posting ... mal sehen, jedenfalls bin ich seit dieser Zeit überzeugt davon, dass es etwas gibt, was über uns alle wacht, damit meine ich nicht Gott oder so, ich weiß nicht mal genau, was es sein könnte - aber irgendetwas kann helfend eingreifen, wenn wir selbst nicht in der Lage dazu sind oder uns viel zu weit von unserem Weg fortbewegt haben.

Ob sich das in einem warnenden Bauchgefühl äußert oder in diversen Ereignissen, die unsere (Fehl-)Planung über den Haufen werfen ... es kann alles mögliche sein, woher genau es stammt, weiß ich nicht, aber es ist für mich persönlich eine so einschneidende Erfahrung gewesen, dass ich seitdem an ein Leben nach dem Tod glaube (im Sinne von Reinkarnation) und eben an meinen "geistigen Beschützer". Das mag für viele Menschen absoluter Unfug sein, mir persönlich hat diese Überzeugung das Leben gerettet ...

Aber ich denke, für den Moment habe ich genug geschrieben, vermutlich mehr als genug sogar ...

To be continued

8.11.06 09:23


Die Anfänge ...

Ich denke, es kann nicht schaden, wenn ich einfach mal versuche, meine Lebesgeschichte etwas nachzuzeichnen.

Das soll hier kein "Ach was hatte ich doch für ne schreckliche Kindheit"-Blog werden, sondern schlicht und ergreifend eine "Beleuchtung" der Verganganheit. Ich bin überzeugt, wenn ich mein "Wohin" in den Griff bekommen möchte, dann ist es zwingend erforderlich, mein "Woher" zu verstehen und mich damit auszusöhnen. Das ist also letzten Endes meine ganz persönliche Spurensuche und neugierig war ich schließlich schon immer *grins* Wir schauen so gerne, was bei anderen scheiße läuft, ich fange besser mal bei mir selbst an - da dürfte ich ebenfalls recht schnell fündig werden und außerdem liegt nur dort der Schlüssel zu allem, nirgendwo sonst ... 

Kann gut sein, dass das alles etwas ausartet und recht umfangreich wird, aber egal, lesen muss es ja keiner und mir tut es einfach gut (schätz ich mal) mich damit auseinanderzusetzen.

Also los gehts ...

Teil 1

Ich war eins dieser Kinder, von denen man später immer sagt: Ein richtiger Wonneproppen ... schon bei der Geburt ... jaaaaa, guter Nahrungsverwerter ... blablabla ...

Stimmt, ich muss wohl tatsächlich über 4 Kilo gewogen haben, als ich den Schoß meiner Mutter verließ (vermutlich nur unter Protest) und mein Babyspeck begleitete mich eigentlich immer. Nicht zuuuu doll, aber da war er eben doch, wirklich dünn war ich nie gewesen.

Na ja, diverse Ereignisse in meinem ersten Lebensjahr hatten dazu geführt, dass ich im Alter von ca. 9 Monaten für einen ebenso langen Zeitraum zu meinen Großeltern ziehen musste, ich bin überzeugt, mein Hang zum Essen wurde dadurch nicht gerade gedämpft ... *lächel* Im Übrigen wird nicht jeder essgestört, der Bonbons oder sonstwas zugesteckt bekommt, sobald er den Mund aufmacht, da gehören dann schon noch andere Dinge dazu.

Wie auch immer - als ich ca. anderthalb war, kam meine Mutter wieder (die ich das vergangene 3/4 Jahr also weder gesehen noch gehört hatte) und hat mich bei meinen Großeltern abgeholt. Ich kann mich nicht bewusst erinnern, allerdings weiß ich aus Erzählungen, dass meine Oma für mich "Mama" hieß und ich mit dieser fremden Frau, die sich plötzlich genauso nannte, nicht viel anfangen konnte (im Nachhinein stelle ich mir das ganz schön schrecklich vor, für eine Mutter ...).

Im Laufe der nächsten 7 Jahre folgten ca. sechs Umzüge und der ein oder andere Kurzzeit-Papi, zu einem davon hatte ich einen echten Bezug und nannte ihn auch tatsächlich Papa. Dumm nur, dass er von seinem Alkoholpronblem nicht loskam ... die Beziehung zu meiner Mutter zerbrach daran. Weiter ausholen mag ich zu diesem Thema gar nicht, außer vielleicht, dass ich im ganzen Leben nicht vergessen werde, wie er eines Abends betrunken war, meine Mutter wohl Angst hatte und ihm, kurz bevor er die Wohnung verließ, den Wohnungsschlüssel aus der Jackentasche klaute.

Als er irgendwann zurückkam und an der Tür rumrandalierte hat sie die Polizei gerufen, die dann auch kam ... Er hat sich gewehrt, wollte nicht gehen und ich kann mich ganz genau erinnern, dass ich heulend in der Küche stand, die beiden Polizisten ihn untergehakt hatte und er, kurz bevor er draußen war plötzlich sagte, er wolle sich von seiner Tochter verabschieden. Ich bin zu ihm gestürzt und hab in ganz feste gedrückt ... Ich hab wohl irgendwie gewusst, dass die gemeinsame Zeit vorbei war ... Mein damaliges Alter schätze ich mal auf ca. acht oder neun.

Meine Mutter hat immer gearbeitet, bereits in der 1. Klasse bin ich mit dem Bus in die Schule gefahren und war mittags allein zuhause, aber nicht allzu lange, dann kam ich in einen Kinderhort. Daran habe ich eigentlich relativ gute Erinnerungen, soweit. Abends hat sie mich abgeholt und es gab dann meistens irgendwas Schnelles zu essen, für mehr war wohl einfach keine Zeit, keine Ahnung.

Wieder geheiratet hat sie, da war ich 11 oder 12 und verbrachte die Sommerferien bei meinen Großeltern. Eines Tages kam eine Postkarte an, sie hätten geheiratet, seien jetzt in Flitterwochen auf Mallorca und sie hoffe, ich freue mich genauso sehr wie sie ... GOTT WAS WAR ICH SAUER!!! Ich war ihr einziges Kind und durfte bei der Hochzeit nicht dabei sein, wusste nicht mal was davon aber eine ihrer Arbeitskolleginnen war als Trauzeugin anwesend ... Ich kann das Gefühl kaum beschreiben, aber das ist eine dieser Situationen, die für mich beweisend dafür waren, dass sie mich nicht leiden konnte und froh war, wenn sie ihre Ruhe vor mir hatte. Meine Tante hatte mir zu dem Zeitpunkt schon mehrfach gesagt, dass meine Mutter mich ohnehin nur bekommen hätte, weil sie so meinen Vater hatte an sich binden wollen - ich weiß bis heute nicht, ob das wirklich stimmt, möglich wäre es natürlich und lange Zeit war ich auch absolut überzeugt davon.

Warum, kann ich nicht sagen - aber ich habe mich ohne seinem Einfluss ausgesetzt gewesen zu sein zu 99% in die Richtung meines Vaters entwickelt. Etwas, was meiner Mutter wohl zu schaffen gemacht haben muss. All meine Interessen, selbst meine jetzige Berufswahl, mein ganzes Wesen - ich bin ihm tatsächlich SEHR ähnlich, auch optisch, das finde ich schon recht interessant! Manchmal denke ich, mein Leben hätte eine ganz andere Wendung genommen, wenn er mich in meiner Kindheit begleitet und in dem, was ich tat bestärkt hätte - leider war es aber eher so, dass fast alles, was ich fabrizierte nicht richtig war, dass ich "genau wie mein bescheuerter Vater" wurde und ich es von daher sowieso "nie zu was bringen" sollte.

Ich hörte irgendwann auf, ICH zu sein, wenn Mutter anwesend war, ich sagte, was sie hören wollte, ich tat, was ich tun sollte und ansonsten ging ich ihr aus dem Weg und hing meinen Gedanken nach. Lange Zeit verging wirklich kein einziger Tag, an dem ich nicht heulend auf meinem Zimmer gesessen und darüber nachgegrübelt hatte, was an mir so unglaublich falsch wäre, was ich wohl besser machen müsste, damit sie mich lieben, mich in den Arm nehmen und mir einfach Zuneigung zeigen würde. Ich war überzeugt, es müsse an mir liegen, warum sollte eine Mutter ihr eigenes Kind sonst so verachten, körperlich misshandeln und keine freie Sekunde mit ihm verbringen wollen?

Heute weiß ich, dass sie einfach nicht anders konnte und ich bin ihr auch nicht böse - das war ich lange genug und es hat mir nicht gut getan, ihr den Tod zu wünschen ... Im Gegenteil, ich bin heute sogar froh, dass meine Kindheit eher "bescheiden" war ... so hatte ich die Möglichkeit, mir meine eigenen Gedanken zu machen, die Welt zu hinterfragen und zu dem Menschen zu werden, der ich bin.

Wer weiß - wenn ich befriedigende Antworten auf meine Fragen von jemandem bekommen hätte oder einfach keinen Grund, mir tiefsinnigere Fragen zu stellen - vielleicht wäre ich ganz ein anderer Mensch? Ganz gewiss sogar, schätzungsweise wäre das aber gar nicht so wünschenswert, jedenfalls heute wünsche ich mir das nicht mehr.

Als Kind jedoch wollte ich immer anders sein, anders aussehen, anders heißen, woanders leben ... ich wollte das Leben nicht, in das ich hineingeboren worden war und da ich keinen Sinn darin erkennen konnte und auch keine Möglichkeiten wusste, etwas daran zu ändern, beschloss ich eines Tages, dass es für mich an der Zeit war, es zu beenden.

Aber soweit sind wir noch nicht, ein paar Jahre zuvor startete ich erst mal meine "Bulimiker-Karriere", nicht wissend, dass ich es in meiner ganz persönlichen Disziplin zur wahren Meisterschaft bringen würde ...  

Fortsetzung folgt ...

8.11.06 07:51


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