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Die Anfänge ...

Ich denke, es kann nicht schaden, wenn ich einfach mal versuche, meine Lebesgeschichte etwas nachzuzeichnen.

Das soll hier kein "Ach was hatte ich doch für ne schreckliche Kindheit"-Blog werden, sondern schlicht und ergreifend eine "Beleuchtung" der Verganganheit. Ich bin überzeugt, wenn ich mein "Wohin" in den Griff bekommen möchte, dann ist es zwingend erforderlich, mein "Woher" zu verstehen und mich damit auszusöhnen. Das ist also letzten Endes meine ganz persönliche Spurensuche und neugierig war ich schließlich schon immer *grins* Wir schauen so gerne, was bei anderen scheiße läuft, ich fange besser mal bei mir selbst an - da dürfte ich ebenfalls recht schnell fündig werden und außerdem liegt nur dort der Schlüssel zu allem, nirgendwo sonst ... 

Kann gut sein, dass das alles etwas ausartet und recht umfangreich wird, aber egal, lesen muss es ja keiner und mir tut es einfach gut (schätz ich mal) mich damit auseinanderzusetzen.

Also los gehts ...

Teil 1

Ich war eins dieser Kinder, von denen man später immer sagt: Ein richtiger Wonneproppen ... schon bei der Geburt ... jaaaaa, guter Nahrungsverwerter ... blablabla ...

Stimmt, ich muss wohl tatsächlich über 4 Kilo gewogen haben, als ich den Schoß meiner Mutter verließ (vermutlich nur unter Protest) und mein Babyspeck begleitete mich eigentlich immer. Nicht zuuuu doll, aber da war er eben doch, wirklich dünn war ich nie gewesen.

Na ja, diverse Ereignisse in meinem ersten Lebensjahr hatten dazu geführt, dass ich im Alter von ca. 9 Monaten für einen ebenso langen Zeitraum zu meinen Großeltern ziehen musste, ich bin überzeugt, mein Hang zum Essen wurde dadurch nicht gerade gedämpft ... *lächel* Im Übrigen wird nicht jeder essgestört, der Bonbons oder sonstwas zugesteckt bekommt, sobald er den Mund aufmacht, da gehören dann schon noch andere Dinge dazu.

Wie auch immer - als ich ca. anderthalb war, kam meine Mutter wieder (die ich das vergangene 3/4 Jahr also weder gesehen noch gehört hatte) und hat mich bei meinen Großeltern abgeholt. Ich kann mich nicht bewusst erinnern, allerdings weiß ich aus Erzählungen, dass meine Oma für mich "Mama" hieß und ich mit dieser fremden Frau, die sich plötzlich genauso nannte, nicht viel anfangen konnte (im Nachhinein stelle ich mir das ganz schön schrecklich vor, für eine Mutter ...).

Im Laufe der nächsten 7 Jahre folgten ca. sechs Umzüge und der ein oder andere Kurzzeit-Papi, zu einem davon hatte ich einen echten Bezug und nannte ihn auch tatsächlich Papa. Dumm nur, dass er von seinem Alkoholpronblem nicht loskam ... die Beziehung zu meiner Mutter zerbrach daran. Weiter ausholen mag ich zu diesem Thema gar nicht, außer vielleicht, dass ich im ganzen Leben nicht vergessen werde, wie er eines Abends betrunken war, meine Mutter wohl Angst hatte und ihm, kurz bevor er die Wohnung verließ, den Wohnungsschlüssel aus der Jackentasche klaute.

Als er irgendwann zurückkam und an der Tür rumrandalierte hat sie die Polizei gerufen, die dann auch kam ... Er hat sich gewehrt, wollte nicht gehen und ich kann mich ganz genau erinnern, dass ich heulend in der Küche stand, die beiden Polizisten ihn untergehakt hatte und er, kurz bevor er draußen war plötzlich sagte, er wolle sich von seiner Tochter verabschieden. Ich bin zu ihm gestürzt und hab in ganz feste gedrückt ... Ich hab wohl irgendwie gewusst, dass die gemeinsame Zeit vorbei war ... Mein damaliges Alter schätze ich mal auf ca. acht oder neun.

Meine Mutter hat immer gearbeitet, bereits in der 1. Klasse bin ich mit dem Bus in die Schule gefahren und war mittags allein zuhause, aber nicht allzu lange, dann kam ich in einen Kinderhort. Daran habe ich eigentlich relativ gute Erinnerungen, soweit. Abends hat sie mich abgeholt und es gab dann meistens irgendwas Schnelles zu essen, für mehr war wohl einfach keine Zeit, keine Ahnung.

Wieder geheiratet hat sie, da war ich 11 oder 12 und verbrachte die Sommerferien bei meinen Großeltern. Eines Tages kam eine Postkarte an, sie hätten geheiratet, seien jetzt in Flitterwochen auf Mallorca und sie hoffe, ich freue mich genauso sehr wie sie ... GOTT WAS WAR ICH SAUER!!! Ich war ihr einziges Kind und durfte bei der Hochzeit nicht dabei sein, wusste nicht mal was davon aber eine ihrer Arbeitskolleginnen war als Trauzeugin anwesend ... Ich kann das Gefühl kaum beschreiben, aber das ist eine dieser Situationen, die für mich beweisend dafür waren, dass sie mich nicht leiden konnte und froh war, wenn sie ihre Ruhe vor mir hatte. Meine Tante hatte mir zu dem Zeitpunkt schon mehrfach gesagt, dass meine Mutter mich ohnehin nur bekommen hätte, weil sie so meinen Vater hatte an sich binden wollen - ich weiß bis heute nicht, ob das wirklich stimmt, möglich wäre es natürlich und lange Zeit war ich auch absolut überzeugt davon.

Warum, kann ich nicht sagen - aber ich habe mich ohne seinem Einfluss ausgesetzt gewesen zu sein zu 99% in die Richtung meines Vaters entwickelt. Etwas, was meiner Mutter wohl zu schaffen gemacht haben muss. All meine Interessen, selbst meine jetzige Berufswahl, mein ganzes Wesen - ich bin ihm tatsächlich SEHR ähnlich, auch optisch, das finde ich schon recht interessant! Manchmal denke ich, mein Leben hätte eine ganz andere Wendung genommen, wenn er mich in meiner Kindheit begleitet und in dem, was ich tat bestärkt hätte - leider war es aber eher so, dass fast alles, was ich fabrizierte nicht richtig war, dass ich "genau wie mein bescheuerter Vater" wurde und ich es von daher sowieso "nie zu was bringen" sollte.

Ich hörte irgendwann auf, ICH zu sein, wenn Mutter anwesend war, ich sagte, was sie hören wollte, ich tat, was ich tun sollte und ansonsten ging ich ihr aus dem Weg und hing meinen Gedanken nach. Lange Zeit verging wirklich kein einziger Tag, an dem ich nicht heulend auf meinem Zimmer gesessen und darüber nachgegrübelt hatte, was an mir so unglaublich falsch wäre, was ich wohl besser machen müsste, damit sie mich lieben, mich in den Arm nehmen und mir einfach Zuneigung zeigen würde. Ich war überzeugt, es müsse an mir liegen, warum sollte eine Mutter ihr eigenes Kind sonst so verachten, körperlich misshandeln und keine freie Sekunde mit ihm verbringen wollen?

Heute weiß ich, dass sie einfach nicht anders konnte und ich bin ihr auch nicht böse - das war ich lange genug und es hat mir nicht gut getan, ihr den Tod zu wünschen ... Im Gegenteil, ich bin heute sogar froh, dass meine Kindheit eher "bescheiden" war ... so hatte ich die Möglichkeit, mir meine eigenen Gedanken zu machen, die Welt zu hinterfragen und zu dem Menschen zu werden, der ich bin.

Wer weiß - wenn ich befriedigende Antworten auf meine Fragen von jemandem bekommen hätte oder einfach keinen Grund, mir tiefsinnigere Fragen zu stellen - vielleicht wäre ich ganz ein anderer Mensch? Ganz gewiss sogar, schätzungsweise wäre das aber gar nicht so wünschenswert, jedenfalls heute wünsche ich mir das nicht mehr.

Als Kind jedoch wollte ich immer anders sein, anders aussehen, anders heißen, woanders leben ... ich wollte das Leben nicht, in das ich hineingeboren worden war und da ich keinen Sinn darin erkennen konnte und auch keine Möglichkeiten wusste, etwas daran zu ändern, beschloss ich eines Tages, dass es für mich an der Zeit war, es zu beenden.

Aber soweit sind wir noch nicht, ein paar Jahre zuvor startete ich erst mal meine "Bulimiker-Karriere", nicht wissend, dass ich es in meiner ganz persönlichen Disziplin zur wahren Meisterschaft bringen würde ...  

Fortsetzung folgt ...

8.11.06 07:51
 


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